Gepostet am 28.07.2025
KI vor Ort in München: Wie Medien im KI-Zeitalter sichtbar bleiben

Hinfallen, aufstehen, weitermachen – aber idealerweise mit Sicherheitsnetz: Sichtbarkeit im KI-Zeitalter funktioniert, wenn die Maßnahmen stimmen.
Wie können Medienhäuser im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz sichtbar bleiben? Bis zur massenhaften Einführung von generativer KI lautete die Antwort auf die Frage, für wen Inhalte produziert werden, eindeutig: für Menschen.
Doch schon vor KI wurde Content zunehmend auf Google-Suche und SEO zugeschnitten. Bei KI vor Ort in München am 25. Juli erklärte Digital-Consultant Marcel Tuljus, wie Medienschaffende mit dieser Herausforderung umgehen können.
Generative KI-Chatbots wie ChatGPT oder Perplexity verschieben den Fokus: Statt klassisch nach Links zu suchen, liefern sie sofort Antworten. Google selbst integriert mit den AI Overviews ebenfalls KI-generierte Zusammenfassungen. Damit werden Verlagsseiten für Nutzer:innen oft erst zum „zweiten Klick“. Das bedeutet weniger direkte Website-Besuche, sinkende Werbeerlöse und die Notwendigkeit, Inhalte so zu gestalten, dass sie von Menschen und von KI-Systemen gleichermaßen gefunden und zitiert werden.
Wie reagieren Medienhäuser derzeit auf KI-Suchmaschinen?
Google Search gerät zunehmend durch generative KI-Suchsysteme unter Druck. Je nach Region und Gerät suchen zwischen 87 und 94 Prozent der User noch überwiegend mit Google Search. Für die Generation Z gewinnen KI-Antwortmaschinen aber an Bedeutung. Sie erwarten schnelle, personalisierte Antworten.
Der dadurch sinkende organische Traffic zwingt Redaktionen dazu, Inhalte besser für Maschinen lesbar zu machen. Structured Data und Schema.org verbessern zum Beispiel die Chance, in Rich Results und KI-Antworten aufzutauchen. Auch Bylines und klare Autorennennung eines steigern Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Die Chance, dass KI-Suchmaschinen oder Google Overviews einen Content als relevant einstufen, steigt, wenn klar erkennbar ist, wer hinter dem Text steht.
SEO bleibt weiterhin wichtig, doch ein neues Feld gewinnt an Bedeutung: Generative Engine Optimization (GEO) – also die Optimierung dafür, in Antworten von KI-Suchsystemen berücksichtigt zu werden. Künftig dürfte GEO entscheidend für die Reichweite von Medieninhalten sein.
Tuljus betont: In Zukunft könnten Lizenzmodelle zwischen Verlagen und KI-Suchmaschinenbetreibern üblich werden. Erste Deals – etwa zwischen OpenAI und Axel Springer – weisen in diese Richtung. Denkbar sind auch flexiblere Bezahlmodelle wie eine „Streifenkarte“ für Online-Medien, bei der Nutzer:innen für einzelne Inhalte zahlen können.
Was Medien tun können, um sichtbar zu bleiben
Schon jetzt können Nutzer:innen viel tun, damit ihre Inhalte auch von generativen KI-Systemen als relevant eingestuft werden. Dazu gehört etwa, Inhalte im Frage-Antwort-Format aufzubereiten. Da generative Systeme ihre Ergebnisse häufig in Form von FAQs oder How-To-Strukturen ausspielen, verbessert diese Methode die Chancen auf Sichtbarkeit, wenn Zwischenüberschriften als Fragen formuliert sind.
Nicht zuletzt hilft konsequentes Monitoring. Wer beobachtet, welche Fragen in generativen Suchmaschinen gestellt werden, kann diese gezielt mit eigener Expertise beantworten und sich so frühzeitig im neuen Suchökosystem positionieren. Gleichzeitig sollten Medienunternehmen mutig in die Zukunft blicken und sich von Rückschlägen bei KI-Experimenten nicht entmutigen lassen.
„KI ist natürlich ein Hype“, sagt Tuljus. Aber: Scheitern ist Teil des Transformationsprozesses und im besten Fall die Basis für neue Experimente, die das Unternehmen voranbringen.
Redaktionelle Mitarbeit: Giulia Neumeyer, MedienNetzwerk Bayern
Fotos: (c) Medien.Bayern/Alexander Hartung
Geschrieben von

Felix Rieger
Event und Kommunikation
Felix Rieger verantwortet die Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit beim KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M). Er hinterfragt das Zusammenspiel von generativen Technologien und medialen Rezeptions- und Produktionsprozessen und sucht nach Antworten darauf, wie eine reflektierte, nachhaltige KI-Nutzung in den Medien aussehen kann.