Gepostet am 01.12.2025
KI vor Ort in Landshut: „KI ist nur so gut wie die Menschen, die sie benutzen“

Wie die Bewegtbildbranche zu generativen Technologien steht, weiß Tobias M. Huber von Storybook Studios. Das Bild ist ambivalent – auch, weil sich viele Kreative bedroht fühlen.
Künstliche Intelligenz passiert nicht nur in München, sondern auch in der niederbayerischen Hauptstadt Landshut. Bei KI vor Ort haben das KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) und das MedienNetzwerk Bayern gemeinsam mit Niederbayern TV und der Hochschule Landshut gezeigt, warum generative Technologien alle betreffen.
„KI ist nur so gut wie die Menschen, die sie benutzen“, sagt Till Krause, Dozent an der Hochschule Landshut. Und deshalb ist es entscheidend, dass KI-Kompetenz als Future Skill für alle verstanden wird. Krause betonte, dass die Entscheidung über die Qualität des Ergebnisses immer bei der Person vor dem Endgerät liegt.
Jüngere Generationen hätten dabei einen entscheidenden Vorteil. Für sie ist die Arbeit mit KI bereits normal. „Richtig genutzt, kann KI uns fantastische Möglichkeiten für die Medien und die Gesellschaft eröffnen“, so Krause. Studierende sind dort oft bereits weiter als die Führungsetagen großer Medienhäuser.
KI-Nutzung: Ein Überblick in Zahlen
Die genauen Zahlen zur KI-Nutzung präsentierte Magnus Gebauer, Teamlead beim MedienNetzwerk Bayern. 71,8 Prozent der Menschen nutzen insgesamt KI. 26 Prozent nutzen GenAI mehrmals die Woche und 50 Prozent geben an, sie für Texterstellung zu verwenden. Für Recherche, Unterhaltung und Problemlösung liegt die Nutzung zwischen 40 und 50 Prozent.
Automatische Textgeneration, die Personalisierung von Inhalten und RAG-Systeme treiben Medienhäuser aktuell am stärksten um. Nur vier Prozent der Medienhäuser sehen keine Relevanz von KI.
Aber was hält Redaktionen davon ab, sich mehr mit KI zu beschäftigen? Gebauer benennt fehlendes Know-how, Qualitäts- und Kontrollbedenken, Unsicherheit bezüglich rechtlicher Vorgaben sowie Budgeteinschränkungen und fehlendes Wissen um die richtige Lizenzierung als entscheidende Kriterien.
Warum Medienhäuser eigene KI-Wege gehen müssen
Jim Sengl, Leitung des KI.M, erklärte den typischen KI-Workflow in der Nachrichtenproduktion, der in vielen Medienhäusern und Beratungsfirmen zum Einsatz kommt. Der Prozess umfasst sechs Schritte: Nachrichteneingang, Triage und Klassifizierung, Erstellung eines ersten Entwurfs durch ein LLM, redaktionelles Review und Editing, KI-SEO-Optimierung und Bildunterschrift sowie schließlich die Veröffentlichung.
Das Problem dabei: Es entsteht sehr viel generischer Output überall dort, wo kein Mensch oder Finetuning mitarbeitet. Sengl warnte: „Es wird schwierig, sich auf dem Markt zu unterscheiden. Gute KI macht dich und dein Produkt gleich und damit austauschbar.“ Ein Lösungsansatz sind On-Premise-LLMs mit Finetuning. Die ersten Schichten eines Modells werden dabei auf den Stil der Redaktion trainiert. Das Ergebnis gehört nur dem eigenen Haus und unterscheidet es vom Wettbewerb.
KI im Bewegtbild: Das neue Zeitalter des Storytellings
Spezielle Herausforderungen kommen auf die Bewegtbildbranche zu. Tobias M. Huber, Bewegtbildexperte bei Storybook Studios, machte deutlich: „Gute Geschichten erzählen ist sehr schwierig, KI zu benutzen dagegen einfach.“ Sein Studio versteht sich bewusst als Storyteller, für die KI zwar etwas Tolles sein kann, aber eben nur ein Werkzeug bleibt.
Beim Drehbuch hilft ein LLM zum Beispiel beim Strukturieren und Recherchieren von Ideen. Die wichtigste Fähigkeit einer Autor:in sei, sich selbst zu hinterfragen. Dabei können Sprachmodelle helfen, aber ihnen den gesamten Kreativprozess zu überlassen, ist noch ein Ding der Unmöglichkeit. Bei der Tool-Auswahl gilt: KI-Modelle sind wie Pferde und es gibt individuelle Präferenzen. Es gilt die These: „Fail fast! Man muss auch manchmal akzeptieren, dass etwas nicht funktioniert und man zurück in den Schreibprozess muss, um eine Idee anzupassen. Auch dabei kann die KI unterstützend wirken.“
Das Studio arbeitet zunehmend mit Open Source und lokal betriebenen Modellen. In der Praxis lassen sich so die Guardrails der großen Frontier-Modelle umgehen. Stoffentwicklung ist mit diesen nämlich nur bedingt möglich: Sobald es zum Beispiel um juristisch relevante Sachverhalte geht, streiken die Chatbots der großen Anbieter gerne. Storybooks eigene Prompting-Regeln sind klar: kein intellektuelles Eigentum prompten, keine realen Personen prompten und Vorsicht mit den Biases im Modell, da der Datensatz die Vorurteile des Internets abbildet.
Put the soul in AI
Die Herausforderungen beim Einsatz von KI sind vielfältig: von rechtlichen Fragen über die Gefahr der Austauschbarkeit bis hin zu ethischen Überlegungen. Die Zukunft der Medien mit KI wird nicht von der Technologie allein bestimmt, sondern von den Menschen, die sie nutzen – von ihrer Kreativität, ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrer Fähigkeit, die menschliche Note zu bewahren, die letztlich den Unterschied macht.
Redaktionelle Mitarbeit: Vincent Broy
Fotos: (c) Medien.Bayern/Giulia Neumeyer
Geschrieben von

Felix Rieger
Event und Kommunikation
Felix Rieger verantwortet die Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit beim KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M). Er hinterfragt das Zusammenspiel von generativen Technologien und medialen Rezeptions- und Produktionsprozessen und sucht nach Antworten darauf, wie eine reflektierte, nachhaltige KI-Nutzung in den Medien aussehen kann.